Wer ein duales Polizeistudium beginnt, muss nicht erst drei Jahre ohne Einkommen auskommen. Von Anfang an fließen Anwärterbezüge, nach dem Abschluss folgt in der Regel die Besoldung als Polizeikommissar oder Polizeikommissarin. Ich zeige, mit welchen Beträgen du während des Studiums und danach realistisch rechnen kannst, warum Nettoangaben voneinander abweichen und welche Zulagen das Einkommen erhöhen.
Während des Studiums fließt bereits Besoldung und danach beginnt meist die Laufbahn in A9
- Studienzeit: Das duale Polizeistudium dauert meistens drei Jahre und wird ab dem ersten Tag bezahlt.
- Anwärterbezüge: Je nach Bundesland liegen sie ungefähr bei 1.400 bis 1.600 Euro brutto, teilweise auch höher im Nettovergleich.
- Einstieg danach: Nach dem Bachelor oder Diplom erfolgt häufig die Ernennung zum Polizeikommissar in Besoldungsgruppe A9.
- Nettoverdienst: Offizielle Beispiele nennen nach dem Studium oft etwa 2.800 bis 3.100 Euro netto.
- Zusatzleistungen: Nacht-, Wochenend-, Feiertags-, Schicht- und Familienzuschläge können die monatliche Auszahlung erhöhen.

Was du während des Polizeistudiums tatsächlich bekommst
Das Studium bei der Polizei ist kein gewöhnliches Hochschulstudium. Du wirst als Beamter oder Beamtin auf Widerruf in den Vorbereitungsdienst aufgenommen und erhältst sogenannte Anwärterbezüge. Studiengebühren fallen normalerweise nicht an, gleichzeitig bist du bereits praktisch in den Polizeidienst eingebunden.
Als grobe Orientierung gelten im Jahr 2026 etwa 1.400 bis 1.600 Euro brutto monatlich. Das tatsächliche Netto kann höher wirken, weil Beamte in der Regel keine Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen und je nach Dienstherr von Heilfürsorge oder weiteren Vergünstigungen profitieren.
| Beispiel | Während des Studiums | Nach dem Studium | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Polizei NRW | ca. 1.500 Euro netto | ca. 3.000 Euro netto | Richtwerte für ledige Bewerber ohne individuelle Zuschläge |
| Polizei Sachsen | ca. 1.523 Euro netto im ersten Studienjahr | ca. 2.873 Euro netto als Polizeikommissar | Beispiele mit Stand Februar 2025 |
| Bremerhaven | ca. 1.500 Euro brutto | Besoldung nach A9 | Die konkrete Höhe richtet sich nach der Bremer Besoldungstabelle |
Die Tabelle zeigt bereits das wichtigste Problem bei Gehaltsvergleichen: Brutto und Netto dürfen nicht direkt nebeneinandergestellt werden. Außerdem rechnen die Behörden mit unterschiedlichen Steuerklassen, Ortszuschlägen und Familienkonstellationen. Ein Betrag von 1.500 Euro netto ist deshalb nicht automatisch mit 1.500 Euro brutto vergleichbar.
Warum sich das Nettogehalt bei der Polizei stark unterscheidet
Wer nur eine einzelne Zahl sucht, wird bei der Polizei schnell enttäuscht. Das Einkommen hängt nicht nur vom Bundesland ab, sondern auch von mehreren persönlichen Faktoren. Besonders wichtig sind:
- Steuerklasse und Familienstand
- Anzahl der Kinder
- Kirchensteuer
- Heilfürsorge oder private Krankenversicherung
- Polizei-, Schicht- und Erschwerniszulagen
- Arbeitsort und landesrechtliche Ortszuschläge
Bei der Heilfürsorge übernimmt der Dienstherr die Krankheitskosten meist weitgehend nach den geltenden Regeln. In anderen Fällen brauchst du eine private Krankenversicherung oder eine zusätzliche Anwartschaft. Ich würde deshalb nie allein anhand des Nettobetrags entscheiden, ob sich ein Angebot lohnt. Entscheidend ist, was nach Krankenversicherung und festen monatlichen Kosten tatsächlich übrig bleibt.
Auch die Bezeichnung „Gehalt“ ist etwas ungenau. Polizeibeamte erhalten Besoldung, die gesetzlich geregelt ist. Das schafft Sicherheit, bedeutet aber zugleich, dass du dein Einkommen nicht wie in einem normalen Arbeitsvertrag frei verhandelst.
Wie viel verdient man nach dem Polizeistudium
Nach einem dreijährigen Studium steigst du im gehobenen Polizeivollzugsdienst meistens in Besoldungsgruppe A9 ein. Die Amtsbezeichnung lautet häufig Polizeikommissar oder Polizeikommissarin. Das Bundesbesoldungsgesetz sieht A9 grundsätzlich als Eingangsamt des gehobenen Dienstes vor, die konkrete Höhe bestimmen bei Landespolizeien jedoch die jeweiligen Landesbesoldungsgesetze.
Als realistische Orientierung liegen die ersten Nettozahlungen nach dem Studium häufig bei etwa 2.800 bis 3.100 Euro. Die Polizei NRW nennt aktuell rund 3.000 Euro netto als Richtwert. In Sachsen werden für einen ledigen Polizeikommissar ohne Kinder etwa 2.873 Euro netto angegeben.
Mit wachsender Erfahrung und einer Beförderung kann die Besoldung steigen. Ein offizielles Beispiel aus Sachsen nennt für einen Polizeihauptkommissar in A11 nach 15 Dienstjahren ungefähr 3.921 Euro netto. Dieser Betrag ist allerdings kein automatisches Ergebnis einer bestimmten Dienstzeit, sondern hängt von Besoldungsgruppe, Erfahrungsstufe und persönlichen Zuschlägen ab.
| Karrierestufe | Typische Besoldungsgruppe | Was den Betrag beeinflusst |
|---|---|---|
| Polizeikommissar nach dem Studium | A9 | Bundesland, Erfahrungsstufe, Zulagen und persönliche Abzüge |
| Polizeioberkommissar | A10 | Beförderung, Leistung und verfügbare Planstelle |
| Polizeihauptkommissar | A11 oder A12 | Funktion, Dienstherr, Beurteilung und Erfahrung |
| Führungsposition | teilweise A13 | Zusätzliche Verantwortung, Auswahlverfahren und Laufbahn |
Die oft genannte Vorstellung, man erreiche automatisch nach einigen Jahren A12 oder A13, halte ich für übertrieben. Beförderungen brauchen Leistung, passende Stellen und eine erfolgreiche Auswahl. Wer langfristig mehr verdienen möchte, sollte sich deshalb früh mit Spezialisierungen, Führungsaufgaben und möglichen Aufstiegsstudiengängen beschäftigen.
Welche Zulagen das Einkommen erhöhen können
Das Grundgehalt ist nur ein Teil der monatlichen Besoldung. Je nach Einsatz kommen weitere Zahlungen hinzu. Dazu gehören beispielsweise Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge, Schichtdienstzulagen, Mehrarbeitsvergütungen oder besondere Zulagen für bestimmte Einheiten.
Diese Zuschläge sind attraktiv, aber nicht garantiert. Wer dauerhaft im normalen Tagesdienst arbeitet, erhält möglicherweise deutlich weniger als jemand im Wechselschichtdienst. Auch Einsätze bei Spezialeinheiten oder an besonderen Dienststellen können anders vergütet werden.
Familienzuschläge können das verfügbare Einkommen ebenfalls verändern. Deshalb sind Nettoangaben aus Karrierebroschüren fast immer Beispielrechnungen für eine bestimmte Person. Für deine eigene Planung zählt nur eine individuelle Besoldungsberechnung, bei der Steuerklasse, Kinder, Krankenversicherung und Dienstherr berücksichtigt werden.
Was du finanziell vor der Bewerbung einplanen solltest
Der große Vorteil liegt auf der Hand: Du studierst, sammelst Berufspraxis und erhältst gleichzeitig ein regelmäßiges Einkommen. Je nach Bundesland kommen kostenlose Unterkunft am Studienort, Uniform, Heilfürsorge oder vergünstigte Verpflegung hinzu. Das kann die finanzielle Belastung während der drei Jahre deutlich reduzieren.
Auf der anderen Seite ist das Polizeistudium kein frei gestaltbares Studentenleben. Theorie, Praxiseinsätze, Sport, Schießtraining und Prüfungen verlangen viel Zeit. Eine Nebentätigkeit ist normalerweise genehmigungspflichtig und nicht ohne Weiteres möglich.
Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: In einzelnen Ländern können Rückzahlungspflichten entstehen, wenn du kurz nach Beginn oder während der ersten Dienstjahre ausscheidest. Die genauen Regeln stehen in den Einstellungsunterlagen. Ich würde diesen Abschnitt vor der Unterschrift sorgfältig lesen, besonders wenn ein Umzug oder eine finanzielle Verpflichtung ansteht.
Auch die Krankenversicherung sollte in die Rechnung gehören. Während der Ausbildung wirkt das Netto oft sehr attraktiv, doch nach dem Studium können sich Beiträge und Absicherung verändern. Vergleiche deshalb nicht nur die Auszahlung, sondern das gesamte Paket aus Besoldung, Gesundheitskosten, Unterkunft, Pension und beruflicher Bindung.
Die wichtigste Zahl steht nicht allein in der Besoldungstabelle
Das Einkommen während des Polizeistudiums liegt 2026 meist in einer Größenordnung von rund 1.400 bis 1.600 Euro brutto, wobei einzelne Behörden deutlich höhere Netto-Richtwerte nennen. Nach dem Abschluss beginnt die Laufbahn häufig in A9 mit ungefähr 2.800 bis 3.100 Euro netto, bevor Zulagen, Erfahrungsstufen und Beförderungen dazukommen.
Für mich ist der entscheidende Punkt nicht der höchste veröffentlichte Betrag, sondern die Kombination aus sicherem Einkommen, anspruchsvollem Dienst und langfristiger Perspektive. Wer Schichtdienst, Verantwortung und mögliche Versetzungen realistisch einschätzt, bekommt mit dem Polizeistudium einen finanziell soliden Einstieg in eine klar strukturierte Laufbahn.
