Wer Lehrerin oder Lehrer werden möchte, entscheidet sich nicht nur für zwei Unterrichtsfächer, sondern für einen mehrstufigen Ausbildungsweg. Das Lehramtsstudium verbindet Fachwissenschaft, Bildungswissenschaft und schulische Praxis. Ich zeige, welche Lehramtsformen es gibt, wie lange der Weg dauert, welche Voraussetzungen gelten und worauf du bei der Wahl von Hochschule und Fächerkombination wirklich achten solltest.
Die wichtigsten Entscheidungen fallen vor dem ersten Semester
- Ausbildungsweg: Je nach Bundesland endet das Studium mit dem Master of Education oder dem Staatsexamen.
- Dauer: Häufig sind sechs Bachelor- und vier Mastersemester vorgesehen, danach folgt ein Referendariat von meist 18 bis 24 Monaten.
- Fächerwahl: Die Kombination muss zur Schulform, zur Hochschule und zu den Vorgaben des Bundeslandes passen.
- Praxis: Praktika und schulische Erfahrungen zeigen früh, ob dir der Berufsalltag tatsächlich liegt.
- Kosten: An staatlichen Hochschulen fallen meist keine allgemeinen Studiengebühren an, aber Semesterbeiträge und Lebenshaltungskosten.

So ist der Weg ins Lehramt aufgebaut
Das Studium ist in Deutschland Teil einer mehrstufigen Lehrkräfteausbildung. In der ersten Phase lernst du deine Fächer, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften kennen. Fachdidaktik bedeutet, dass du dich damit beschäftigst, wie ein bestimmter Inhalt verständlich, altersgerecht und methodisch sinnvoll vermittelt wird.In vielen Bundesländern führt der Weg über einen Bachelorabschluss und anschließend den Master of Education. Der Bachelor dauert häufig sechs Semester, der Master vier Semester. In Bayern, Hessen und einigen weiteren Ländern ist dagegen weiterhin das Staatsexamen das zentrale Studienziel. Für die spätere Bewerbung zählt deshalb nicht nur der Abschlussname, sondern vor allem die Anerkennung für den gewünschten Lehramtstyp.
| Phase | Typische Inhalte | Übliche Dauer |
|---|---|---|
| Studium | Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Bildungswissenschaft, Praktika | 7 bis 10 Semester beim Staatsexamen oder meist 6 + 4 Semester im Bachelor-Master-Modell |
| Vorbereitungsdienst | Unterricht an einer Schule, Seminare, Hospitationen und Prüfungen | Oft 18 bis 24 Monate |
| Berufseinstieg | Bewerbung beim Land oder Schulträger, je nach Modell als angestellte oder verbeamtete Lehrkraft | Nach erfolgreicher Zweiter Staatsprüfung |
Der Bachelor allein reicht normalerweise nicht für den Eintritt ins Referendariat. Genau hier liegt ein häufiger Denkfehler. Wer nach dem Bachelor abbricht, hat zwar einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss, aber in der Regel noch keine vollständige Lehramtsbefähigung.
Die passende Schulform entscheidet über dein ganzes Studium
Bevor du dich für Fächer begeisterst, solltest du die Schulform festlegen. Ein Studium für das Gymnasium ist fachwissenschaftlich anders aufgebaut als die Ausbildung für die Grundschule oder für ein Berufskolleg. Auch die späteren Aufgaben im Schulalltag unterscheiden sich deutlich.
| Lehramtstyp | Typischer Schwerpunkt | Darauf solltest du achten |
|---|---|---|
| Grundschule | Breite Grundlagen, frühe Bildung, Deutsch und Mathematik | Mancherorts sind bestimmte Fächer verpflichtend oder besonders stark gewichtet. |
| Grund-, Haupt- und Realschule beziehungsweise Sekundarstufe I | Fachunterricht in mittleren Jahrgangsstufen und pädagogische Arbeit mit heterogenen Klassen | Prüfe genau, welche Schulformen das jeweilige Bundesland zusammenfasst. |
| Gymnasium und Gesamtschule | Vertiefte Fachwissenschaft und Unterricht bis zur Oberstufe | Das Studium ist in vielen Fächern theoretisch anspruchsvoll und leselastig. |
| Berufskolleg | Berufliche Fachrichtungen, Berufsbildung und gegebenenfalls ein Unterrichtsfach | Eine fachpraktische Tätigkeit kann Voraussetzung oder Bestandteil des Weges sein. |
| Sonderpädagogik | Förderschwerpunkte, Diagnostik, individuelle Unterstützung und Inklusion | Die Arbeit verlangt fachliche Geduld und Interesse an sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen. |
Die Namen der Lehrämter und Schulformen sind zwischen den Ländern nicht vollständig identisch. Ein Abschluss für die Sekundarstufe I kann deshalb andere Einsatzmöglichkeiten eröffnen als ein Abschluss für Haupt- und Realschulen. Ich würde die gewünschte Schulform immer zuerst mit der Prüfungsordnung des Bundeslandes abgleichen und erst danach die Hochschulen vergleichen.
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Fächer nicht nur nach Sympathie auswählen
In der Regel studierst du mindestens zwei Fächer. Dazu kommen Bildungswissenschaften, schulpraktische Studien und fachdidaktische Module. Eine Kombination wie Deutsch und Geschichte wirkt auf den ersten Blick naheliegend, kann aber eine hohe Lese- und Korrekturbelastung mit sich bringen. Mathematik und Physik bieten andere Anforderungen, verlangen dafür oft kontinuierliches Üben und sichere Grundlagen.Besonders bei Kunst, Musik und Sport sind Eignungsprüfungen möglich. Außerdem gibt es nicht jede Fachkombination an jeder Hochschule. Entscheidend ist daher nicht allein, welches Fach dir in der Schule gefallen hat, sondern ob du es über mehrere Jahre wissenschaftlich vertiefen und später verständlich unterrichten möchtest.
Diese Inhalte und Praxiserfahrungen erwarten dich
Ein Lehramtsstudium besteht nicht nur aus pädagogischen Seminaren. Je nach Studiengang entfallen große Teile auf die Fachwissenschaft. Wer Biologie, Chemie oder Pharmazie-nahe Inhalte für das Lehramt wählt, arbeitet beispielsweise mit Laborpraktika, naturwissenschaftlichen Methoden und wissenschaftlicher Literatur. Das ist deutlich anspruchsvoller als das Wiederholen von Schulwissen.
Die wichtigsten Studienbereiche sind:
- Fachwissenschaft: Du baust fundiertes Wissen in deinen Unterrichtsfächern auf.
- Fachdidaktik: Du lernst, Fachinhalte zu erklären, Aufgaben zu entwickeln und Lernstände einzuschätzen.
- Bildungswissenschaft: Themen sind unter anderem Entwicklungspsychologie, Diagnostik, Inklusion und Klassenführung.
- Schulpraktika: Du hospitierst, planst Unterricht und sammelst erste Erfahrungen mit Lerngruppen.
- Abschlussarbeit: Je nach Prüfungsordnung wird eine wissenschaftliche Arbeit in einem Fach, der Didaktik oder den Bildungswissenschaften verfasst.
Die Praxis ist für mich der ehrlichste Teil der Studienentscheidung. Ein kurzes Praktikum zeigt oft schneller als ein Studieninformationstag, ob du vor Gruppen sprechen, Konflikte aushalten und Unterricht überarbeiten möchtest. Gleichzeitig solltest du einzelne negative Erlebnisse nicht überbewerten, denn eine unpassende Schule oder Betreuungsperson sagt noch nichts über den gesamten Beruf aus.
Plane für das Studium mit einem Arbeitsaufwand von ungefähr 30 ECTS-Punkten pro Semester. Ein ECTS-Punkt entspricht grob 25 bis 30 Stunden Arbeitsaufwand. Dazu gehören nicht nur Präsenzveranstaltungen, sondern auch Lesen, Vorbereiten, Nachbereiten, Praktika und Prüfungsvorbereitung.
Zulassung, Bewerbung und Kosten realistisch einschätzen
Die häufigste Zugangsvoraussetzung ist das Abitur beziehungsweise die allgemeine Hochschulreife. Je nach Studiengang können auch eine fachgebundene Hochschulreife, berufliche Qualifikationen oder zusätzliche Nachweise ausreichen. Ob ein Numerus clausus gilt, hängt von Hochschule, Fach und Bewerbungsrunde ab.
Für Musik, Kunst und Sport musst du häufig eine Eignungsprüfung bestehen. Bei modernen Fremdsprachen können Sprachkenntnisse verlangt werden. Manche Studiengänge setzen außerdem ein Orientierungs- oder Betriebspraktikum voraus, wobei Dauer und Anerkennung von der jeweiligen Prüfungsordnung abhängen.
An staatlichen Hochschulen gibt es in den meisten Ländern keine allgemeinen Studiengebühren für das Erststudium. Bezahlen musst du jedoch den Semesterbeitrag, häufig ungefähr 100 bis 350 Euro pro Semester, sowie Miete, Krankenversicherung, Lernmittel und Fahrtkosten. In einzelnen Ländern oder bei einem Zweitstudium können zusätzliche Gebühren gelten.
Bei der Bewerbung solltest du drei Dinge früh prüfen:
- Welche Fächerkombinationen bietet die Hochschule tatsächlich an?
- Welche Fristen gelten für zulassungsbeschränkte und zulassungsfreie Teilstudiengänge?
- Welche Praktika, Sprachtests oder Eignungsprüfungen musst du vor der Einschreibung nachweisen?
Ein organisatorisches Detail wird oft unterschätzt. Lehramtsfächer können an verschiedenen Fakultäten liegen, sodass Stundenpläne, Prüfungen und Anmeldeverfahren nicht automatisch aufeinander abgestimmt sind. Ich empfehle deshalb, vor der Bewerbung die Modulhandbücher zu öffnen und nicht nur die Kurzbeschreibung auf der Hochschulseite zu lesen.
Master, Staatsexamen und Referendariat richtig einordnen
Der Abschluss des Studiums ist nicht das Ende der Ausbildung. Im Vorbereitungsdienst, der meist als Referendariat bezeichnet wird, arbeitest du an einer Schule, besuchst Ausbildungsseminare und übernimmst zunehmend eigenen Unterricht. Abgeschlossen wird diese Phase mit einer Prüfung, die in der Regel die Voraussetzung für die vollständige Lehramtsbefähigung bildet.
Das Referendariat ist häufig auf 18 oder 24 Monate angelegt. Die genaue Dauer, die Zahl der Unterrichtsstunden, Prüfungsformate und Bewerbungsfristen unterscheiden sich jedoch nach Bundesland. Ein Wechsel ist grundsätzlich möglich, aber nicht immer reibungslos, weil Schulformen, Fächer und Ausbildungsordnungen unterschiedlich organisiert sind.
Die Kultusministerkonferenz schafft gemeinsame Rahmenbedingungen für die Anerkennung, ersetzt aber nicht die Prüfung des Einzelfalls. Wer bereits während des Studiums weiß, in welchem Land er später arbeiten möchte, spart sich deshalb oft unnötige Anerkennungsfragen. Das gilt besonders bei speziellen Fächern oder ungewöhnlichen Fächerkombinationen.
Auch die Verbeamtung ist kein automatischer Bestandteil des Abschlusses. Sie hängt unter anderem von den Regeln des jeweiligen Landes, dem Bedarf, persönlichen Voraussetzungen und der konkreten Stelle ab. Eine Bewerbung als angestellte Lehrkraft kann eine gute Alternative sein, bringt aber andere Regelungen bei Gehalt, Altersvorsorge und Arbeitsplatzsicherheit mit sich.Was die Entscheidung langfristig tragfähig macht
Lehramt passt nicht nur zu Menschen, die gern erklären. Du brauchst ebenso Belastbarkeit, Struktur und Freude an Beziehungsarbeit. Unterricht vorzubereiten ist nur ein Teil des Berufs. Gespräche mit Eltern, Konferenzen, Korrekturen, Dokumentation und spontane Konflikte gehören ebenfalls dazu.
Ein häufiger Fehler ist, die Fächerwahl ausschließlich an den aktuellen Einstellungschancen auszurichten. Der Bedarf kann sich verändern, während du noch studierst. Ein Fach, das heute besonders gesucht wird, ist keine gute Wahl, wenn du es fachlich nicht tragen kannst oder dauerhaft keine Freude daran hast.
Wenn du bereits einen anderen Hochschulabschluss besitzt, können Quereinstieg, Seiteneinstieg oder ein lehramtsbezogener Master interessante Wege sein. Diese Modelle sind aber stark vom Bundesland und von deinen Fächern abhängig. Sie ersetzen nicht automatisch das reguläre Studium und sollten immer anhand der aktuellen Landesregelungen geprüft werden.
Eine kluge Studienwahl beginnt mit drei konkreten Checks
Vergleiche vor der Bewerbung nicht nur Rankings oder die Größe einer Stadt. Prüfe die Prüfungsordnung, Fächerkombinationen und Praxisanteile deiner Wunschhochschule. Genau diese Punkte bestimmen später, ob dein Studium planbar bleibt und welcher Weg ins Referendariat offensteht.
Besuche außerdem mindestens eine Vorlesung oder Studienberatung und sprich mit Studierenden aus beiden Fächern. Ihre Hinweise zu Stundenplanüberschneidungen, Praktika und tatsächlicher Arbeitsbelastung sind oft hilfreicher als allgemeine Werbetexte.
Wenn Schulform, Fächer und Bundesland zusammenpassen, ist das Lehramtsstudium ein anspruchsvoller, aber klar strukturierter Weg in einen Beruf mit großer Verantwortung. Ich würde die Entscheidung nicht von der vermeintlich leichtesten Kombination abhängig machen, sondern davon, ob du Fachwissen langfristig vertiefen und junge Menschen zuverlässig beim Lernen begleiten möchtest.
