Wer Studium, Beruf und Familie gleichzeitig organisieren muss, braucht ein Hochschulmodell mit echter zeitlicher Freiheit. Eine staatliche Fernuniversität kann dafür eine starke Lösung sein, verlangt aber deutlich mehr Selbstorganisation als ein klassischer Campus. Ich zeige, wie das Studium an der FernUniversität in Hagen funktioniert, welche Fächer und Abschlüsse möglich sind, mit welchen Kosten Sie rechnen sollten und warum Pharmazie dort eine besondere Ausnahme darstellt.
Die wichtigsten Punkte für die Entscheidung auf einen Blick
- Staatlich: Die FernUniversität in Hagen ist Deutschlands einzige staatliche Fernuniversität.
- Studienangebot: Im Mittelpunkt stehen Bildungswissenschaft, Psychologie, Informatik, Mathematik, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.
- Kosten: Für das Wintersemester 2026/27 liegen die Semesterkosten bei etwa 249,40 bis 414,40 Euro, abhängig von der Belegung.
- Arbeitsaufwand: 15 ECTS entsprechen rechnerisch ungefähr 20 Stunden pro Woche.
- Pharmazie: Ein approbationsfähiges Pharmaziestudium wird dort nicht angeboten, weil Labor, Präsenzlehre und praktische Ausbildung unverzichtbar sind.

Was die Fernuniversität in Hagen besonders macht
Mit „FernUni“ ist in Deutschland meist die FernUniversität in Hagen gemeint. Sie ist eine staatliche wissenschaftliche Universität des Landes Nordrhein-Westfalen und arbeitet vollständig auf ein Fernstudienmodell ausgerichtet. Die Abschlüsse sind akademische Hochschulabschlüsse wie B.A., B.Sc., LL.B. oder M.Sc. und nicht bloß Teilnahmezertifikate.
Das Modell richtet sich vor allem an Menschen, die nicht für jede Vorlesung an einen Hochschulort ziehen können. Nach Angaben der FernUniversität waren im Sommersemester 2026 insgesamt 76.156 Studierende eingeschrieben, davon 75 Prozent berufstätig. Das Durchschnittsalter lag bei 38,3 Jahren. Diese Zahlen zeigen ziemlich gut, für wen das Angebot gedacht ist: nicht nur für Schulabgänger, sondern auch für Berufstätige, Eltern und Menschen mit wechselnden Lebenssituationen.
Ganz ohne Campus ist das Studium trotzdem nicht. Die Hochschule unterhält 13 Campusstandorte in Deutschland und sieben weitere im Ausland. Dort finden Beratung, Veranstaltungen und je nach Studiengang auch Prüfungen statt. Ich halte diesen Punkt für wichtig, weil „Fernstudium“ häufig fälschlich mit „alles von zu Hause aus“ gleichgesetzt wird.
Fernuniversität und private Fernhochschule sind nicht dasselbe
Private Anbieter wie Fernhochschulen, Fachhochschulen oder Hochschulen mit Online-Studiengängen können ebenfalls staatlich anerkannt und akkreditiert sein. Der Unterschied liegt nicht automatisch in der Qualität, sondern in Trägerschaft, Studienorganisation, Betreuung und Preisstruktur.
| Kriterium | FernUniversität in Hagen | Private Fernhochschule |
|---|---|---|
| Trägerschaft | Staatliche Universität | Meist private Hochschule oder privater Hochschulträger |
| Fachliche Ausrichtung | Wissenschaftlich und häufig theoretisch fundiert | Oft stärker berufs- und anwendungsorientiert |
| Kosten | Meist einige hundert Euro pro Semester | Häufig mehrere hundert Euro pro Monat |
| Flexibilität | Teilzeit und individuelle Modulbelegung möglich | Je nach Anbieter sehr flexibel bis stark getaktet |
| Betreuung | Über Lehrstühle, Regionalzentren, Online-Angebote und Moodle | Oft engmaschige Betreuung durch Tutorinnen und Tutoren |
Mein Eindruck aus der Studienberatung ist klar: Die staatliche Variante ist finanziell attraktiv, aber sie schenkt Ihnen den Abschluss nicht. Wer regelmäßig persönliche Rückmeldungen und einen eng vorgegebenen Lernrhythmus braucht, kann sich bei einem privaten Anbieter besser aufgehoben fühlen.
Welche Studiengänge und Abschlüsse möglich sind
Das Studienangebot verteilt sich auf fünf Fakultäten. Im Bachelorbereich finden sich unter anderem Bildungswissenschaft, Kulturwissenschaften, Psychologie, Informatik, Mathematik, mathematisch-technische Softwareentwicklung, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft.
Auf Masterebene kommen beispielsweise Data Science, Informatik, Wirtschaftswissenschaft, Wirtschaftsinformatik, Psychologie, Bildungswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft hinzu. Außerdem gibt es ein Studium mit dem Ziel der Ersten Juristischen Prüfung, Weiterbildungsangebote, Zertifikate und das Akademiestudium.
| Studienbereich | Typische Abschlüsse | Für wen interessant |
|---|---|---|
| Informatik und Data Science | B.Sc., M.Sc. | Für den Wechsel in IT, Softwareentwicklung oder datenbasierte Berufe |
| Wirtschaft und Wirtschaftsinformatik | B.Sc., M.Sc. | Für kaufmännische, digitale und analytische Tätigkeiten |
| Psychologie | B.Sc., M.Sc. | Für wissenschaftliche und organisationsbezogene Perspektiven |
| Rechtswissenschaft | LL.B., LL.M. oder Erste Juristische Prüfung | Für juristische Grundlagen, Wirtschaftsrecht und klassische Juristenlaufbahnen |
| Kultur- und Sozialwissenschaften | B.A., M.A. | Für Bildung, Gesellschaft, Politik, Verwaltung und Kulturarbeit |
Warum Pharmazie dort nicht einfach online studiert werden kann
Für angehende Apothekerinnen und Apotheker ist die Fernuniversitäre Lösung keine Alternative zum regulären Pharmaziestudium. Das aktuelle Studienangebot der FernUniversität enthält keinen approbationsfähigen Studiengang Pharmazie.
Der Grund ist nicht bloß fehlende Nachfrage. Nach der Approbationsordnung umfasst die pharmazeutische Ausbildung vier Jahre Universitätsstudium, eine achtwöchige Famulatur, zwölf Monate praktische Ausbildung und drei Prüfungsabschnitte. Dazu gehören verpflichtende Laborübungen, Seminare und praktische Lehrveranstaltungen, die sich nicht vollständig durch Studienbriefe oder Videokonferenzen ersetzen lassen.
Für Tätigkeiten in der pharmazeutischen Industrie können Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik, Informatik, Data Science oder Rechtswissenschaft trotzdem interessante Zusatzqualifikationen liefern. Sie führen aber nicht zur Berufsbezeichnung Apothekerin oder Apotheker und ersetzen weder das Pharmaziestudium noch die staatliche Prüfung.
Wie der Studienalltag tatsächlich funktioniert
Das Studium besteht nicht einfach aus aufgezeichneten Vorlesungen. Sie bearbeiten Studienbriefe, digitale Lernmaterialien und Aufgaben, nehmen an Online-Angeboten teil und bereiten sich weitgehend selbstständig auf Prüfungen vor. Die Module sind in ECTS-Punkte gegliedert, sodass sich der Umfang grundsätzlich planen lässt.
Ein ECTS-Punkt entspricht an der FernUniversität als Richtwert etwa 30 Arbeitsstunden. Bei 15 ECTS kommen damit ungefähr 450 Stunden pro Semester zusammen. Verteilt auf 23 Semesterwochen sind das rund 20 Stunden pro Woche. Ein Vollzeitumfang von 30 ECTS liegt rechnerisch bei etwa 39 Stunden pro Woche und entspricht damit einer normalen Vollzeitbelastung.
Diese Rechnung ist hilfreich, aber nicht für alle gleich. Wer lange nicht gelernt hat, mathematische Grundlagen nachholen muss oder familiär stark eingebunden ist, braucht oft mehr Zeit. Ich würde Berufstätigen deshalb eher mit 10 bis 15 ECTS starten lassen, statt sich sofort am offiziellen Vollzeitplan zu messen.
Teilzeit ist kein leichteres Studium
Im Teilzeitstudium wird normalerweise ungefähr die Hälfte des Vollzeitumfangs belegt, während sich die Regelstudienzeit etwa verdoppelt. Die Inhalte und Prüfungsanforderungen bleiben jedoch dieselben. Teilzeit bedeutet also weniger Stoff pro Semester, nicht weniger Anspruch.
Prüfungen können je nach Modul als digitale Präsenzprüfung, beaufsichtigte Online-Prüfung oder klassische Präsenzprüfung stattfinden. Teilweise wird das eigene Notebook mitgebracht. Wer weit entfernt wohnt, sollte deshalb vor der Einschreibung prüfen, wo die relevanten Prüfungen stattfinden und ob zusätzliche Reise- oder Übernachtungskosten entstehen.
Was im Alltag den größten Unterschied macht
- Fester Wochenplan: Reservieren Sie konkrete Lernzeiten, statt nur „irgendwann am Wochenende“ lernen zu wollen.
- Früher Prüfungsblick: Prüfen Sie zu Semesterbeginn Termine, Zulassungsvoraussetzungen und Abgabeformen.
- Aktive Bearbeitung: Reines Lesen der Studienbriefe reicht selten. Zusammenfassungen, Übungsaufgaben und alte Prüfungsformate sind wirksamer.
- Kontakt zu anderen: Lerngruppen und Online-Arbeitsgemeinschaften helfen besonders bei abstrakten Fächern wie Mathematik, Recht oder Statistik.
Der häufigste Fehler ist aus meiner Sicht eine zu optimistische Zeitplanung. Wer acht Wochen lang kaum arbeitet und erst kurz vor der Klausur beginnt, kann den Rückstand an einer Fernuniversität nur schwer durch bloßes Auswendiglernen auffangen.
Was das Studium kostet und wie die Einschreibung läuft
Die FernUniversität erhebt keine klassischen monatlichen Studiengebühren. Die Kosten setzen sich aus einer Grundgebühr, Beleggebühren pro ECTS-Punkt sowie Beiträgen für Studierendenschaft und Studierendenwerk zusammen.
| Studienumfang | Beispielhafte Semesterkosten im Wintersemester 2026/27 | Rechnerische Belastung |
|---|---|---|
| 15 ECTS | 249,40 Euro | Etwa 20 Stunden pro Woche |
| 20 ECTS | 304,40 Euro | Etwa 26 Stunden pro Woche |
| 30 ECTS | 414,40 Euro | Etwa 39 Stunden pro Woche |
Für die Berechnung im Wintersemester 2026/27 gelten unter anderem 60 Euro Grundgebühr und 11 Euro je belegtem ECTS-Punkt. Hinzu kommen ein Studierendenschaftsbeitrag von 8,40 Euro sowie ein Sozialbeitrag von 16 Euro. Gebühren können sich ändern, deshalb sollte vor jeder Rückmeldung die aktuelle Kostenübersicht geprüft werden.
Die Gesamtkosten eines Abschlusses hängen davon ab, wie viele Module Sie belegen, wie lange Sie studieren und ob Sie Prüfungen oder Module wiederholen. Ein längeres Teilzeitstudium ist nicht automatisch teurer, kann durch zusätzliche Semester aber höhere Grund- und Sozialbeiträge verursachen.
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Zugangsvoraussetzungen und Fristen
Für einen Bachelor kommen unter anderem das Abitur, die fachgebundene Hochschulreife, eine geeignete berufliche Qualifikation oder ein gleichwertiger ausländischer Bildungsnachweis infrage. Die Fachhochschulreife allein reicht für die reguläre Einschreibung an der FernUniversität in Hagen grundsätzlich nicht aus. Bei beruflich Qualifizierten gelten je nach Vorbildung zusätzliche Regeln.
Die Bachelor- und Staatsexamensstudiengänge sind zulassungsfrei, also ohne Numerus clausus. Für Masterstudiengänge brauchen Sie einen passenden ersten Hochschulabschluss und müssen die fachlichen Anforderungen des jeweiligen Studiengangs erfüllen.
- Sommersemester: Bewerbung normalerweise vom 1. Dezember bis 31. Januar.
- Wintersemester: Bewerbung normalerweise vom 1. Juni bis 31. Juli.
- Akademiestudium: Eigene Fristen, die je nach Semester und Angebot abweichen können.
Das Akademiestudium eignet sich, wenn Sie einzelne Module testen, fehlende Vorkenntnisse nachholen oder sich ohne direkten Abschlussdruck orientieren möchten. Es ist allerdings kein reguläres Studium mit allen studentischen Vergünstigungen, insbesondere besteht normalerweise kein Anspruch auf BAföG oder eine studentische Krankenversicherung.
Für wen sich dieses Hochschulmodell lohnt
Eine Fernuniversität passt besonders gut, wenn Sie Ihren Tagesablauf weitgehend selbst steuern können. Berufstätige, Eltern, Menschen mit langen Pendelwegen oder Studierende im Ausland profitieren von der Ortsunabhängigkeit und der Teilzeitoption.
Sie sollten aber Freude an selbstständigem Arbeiten mitbringen. Ein Fernstudium ist nicht automatisch einfacher als ein Präsenzstudium. Es verlagert vielmehr einen großen Teil der Verantwortung von festen Vorlesungszeiten und täglicher Betreuung auf die eigene Planung.
Für mich sind drei Fragen bei der Entscheidung entscheidend:
- Habe ich jede Woche verlässlich 15 bis 20 Stunden?
- Kann ich mich auch ohne äußeren Druck über Monate motivieren?
- Passt das konkrete Studienfach zu meinem beruflichen Ziel?
Wer zweimal mit Nein antwortet, sollte nicht nur auf den niedrigen Preis schauen. Eine eng betreute private Fernhochschule kann trotz höherer Gebühren die passendere Wahl sein, wenn sie dadurch den Lernalltag stabiler macht.
Die klügste Vorbereitung beginnt vor der Einschreibung
Bevor Sie sich anmelden, würde ich den Studienverlaufsplan, die Modulbeschreibungen und die Prüfungstermine des gewünschten Fachs genau lesen. Besonders bei Psychologie, Informatik, Mathematik und Rechtswissenschaft unterschätzen Einsteiger häufig die Menge an wissenschaftlicher Literatur und die Bedeutung formaler Prüfungsleistungen.
Planen Sie außerdem ein finanzielles Polster für Literatur, Technik, Reisen und mögliche Wiederholungen ein. Die offiziellen Semestergebühren sind vergleichsweise niedrig, aber ein Studium kostet zusätzlich Zeit, Energie und manchmal mehrere Prüfungstage.
Für Pharmazie gilt eine klare Grenze: Wer später in Deutschland als Apotheker oder Apothekerin arbeiten möchte, braucht das reguläre universitäre Pharmaziestudium mit praktischen Ausbildungsanteilen und staatlicher Prüfung. Für andere Aufgaben im Gesundheits- und Pharmabereich kann ein flexibler Abschluss in Daten, Wirtschaft, Recht oder Informatik sinnvoll sein, aber die Wahl sollte sich am konkreten Berufsziel orientieren.
