Wer Zahlen nicht nur verbuchen, sondern für bessere Entscheidungen nutzen möchte, findet in Controlling und Rechnungswesen ein vielseitiges Berufsfeld. Der Artikel zeigt, wie beide Bereiche zusammenarbeiten, welche Berufe und Einstiegsmöglichkeiten es gibt, welche Fähigkeiten wirklich zählen und welche Perspektiven sich besonders in Unternehmen aus Pharma, Medizin und Gesundheitswesen eröffnen.
Die wichtigsten Orientierungspunkte für den Berufseinstieg
- Rechnungswesen dokumentiert Geschäftsvorgänge und schafft eine verlässliche Zahlenbasis.
- Controlling nutzt diese Daten für Planung, Analyse und unternehmerische Entscheidungen.
- Berufswege führen über Studium, kaufmännische Ausbildung oder gezielte Weiterbildung in das Feld.
- Excel, ERP-Systeme und Datenanalyse gehören heute zum Handwerkszeug vieler Fachkräfte.
- Pharma- und Gesundheitsunternehmen bieten zusätzliche Einsatzfelder wie Produktions-, Kosten- und Bestandscontrolling.
Zwei Bereiche, ein gemeinsames Finanzbild
Controlling und Rechnungswesen werden häufig in einem Atemzug genannt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Das Rechnungswesen hält fest, was tatsächlich passiert ist. Das Controlling untersucht zusätzlich, warum sich Zahlen so entwickelt haben und welche Entscheidung daraus folgen sollte.
| Bereich | Typische Aufgaben | Zeithorizont |
|---|---|---|
| Externes Rechnungswesen | Finanzbuchhaltung, Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Jahresabschluss | Vergangenheit und Abschlussperioden |
| Internes Rechnungswesen | Kostenrechnung, Kalkulation, Deckungsbeiträge und Wirtschaftlichkeitsanalysen | Vergangenheit und Gegenwart |
| Controlling | Budgetplanung, Forecasts, Kennzahlen, Abweichungsanalysen und Handlungsempfehlungen | Gegenwart und Zukunft |
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Das Rechnungswesen erfasst, wie viel ein Pharmaunternehmen für Rohstoffe, Personal und Lagerung ausgegeben hat. Das Controlling fragt anschließend, warum die Herstellungskosten gestiegen sind, ob eine Produktlinie profitabel bleibt und welche Maßnahmen sinnvoll wären.
Für mich ist genau diese Verbindung der interessante Teil. Wer nur auf den Abschluss schaut, erkennt die Entwicklung oft zu spät. Wer dagegen mit unvollständigen oder fehlerhaften Daten plant, produziert schöne Diagramme ohne belastbare Aussage.
Welche Berufe zu den eigenen Stärken passen
Das Berufsfeld ist breiter, als die Bezeichnung „Controller“ vermuten lässt. Je nach Rolle geht es stärker um Genauigkeit, gesetzliche Vorgaben, Analyse, Kommunikation oder die Begleitung strategischer Entscheidungen.
Finanzbuchhalter und Bilanzbuchhalter
Finanzbuchhalter bearbeiten laufende Geschäftsvorfälle, prüfen Belege, stimmen Konten ab und bereiten Abschlüsse vor. Bilanzbuchhalter übernehmen meist anspruchsvollere Aufgaben, etwa Monats- und Jahresabschlüsse, Steuerabgrenzungen oder die Koordination eines Teams.
Diese Richtung passt zu Menschen, die strukturiert arbeiten und auch bei wiederkehrenden Prozessen aufmerksam bleiben. Fehlerfreiheit und Regelkenntnis sind hier wichtiger als ein besonders extrovertiertes Auftreten.
Controller und Business Controller
Controller erstellen Budgets, analysieren Plan-Ist-Abweichungen und bereiten Berichte für die Geschäftsleitung oder Fachabteilungen auf. Business Controller arbeiten häufig näher an Vertrieb, Produktion oder Forschung und übersetzen finanzielle Kennzahlen in konkrete Entscheidungen.
In einem Pharmaunternehmen kann das bedeuten, die Kosten einer klinischen Entwicklungsphase zu überwachen, die Wirtschaftlichkeit einer Produktionslinie zu bewerten oder den Bestand teurer Wirkstoffe zu analysieren. Gefragt ist dabei nicht nur Rechnen, sondern die Fähigkeit, Zahlen verständlich zu erklären.
Weitere Spezialisierungen
- Produktionscontroller untersuchen Materialverbrauch, Ausschuss, Maschinenlaufzeiten und Fertigungskosten.
- Vertriebscontroller bewerten Umsatz, Marge, Absatzkanäle und Kundenprofitabilität.
- Projektcontroller behalten Kosten, Termine und Ressourcen größerer Vorhaben im Blick.
- Financial Analyst erstellt Finanzmodelle und unterstützt Investitions- oder Unternehmensentscheidungen.
- Steuerfachangestellte und Steuerfachwirte arbeiten an steuerlichen Sachverhalten und können sich in Richtung Rechnungswesen weiterentwickeln.
Die Bundesagentur für Arbeit ordnet Controllerinnen und Controller als Fachkräfte ein, die Geschäftsabläufe durch Kennzahlen, Marktdaten und Ergebnisanalysen transparenter machen. Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es in nahezu allen Branchen, auch in öffentlicher Verwaltung, Kliniken und wissenschaftsnahen Organisationen.
Der Einstieg gelingt über mehrere Wege
Ein Studium ist hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung für jede Position. In der Praxis zählt häufig die Kombination aus solider kaufmännischer Grundlage, Berufserfahrung und sicherem Umgang mit Daten.
Studium mit wirtschaftlicher Ausrichtung
Ein Bachelor in Betriebswirtschaftslehre, Finanzmanagement, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftsingenieurwesen bietet eine gute Basis. Sinnvolle Vertiefungen sind Kostenrechnung, Bilanzierung, Investition und Finanzierung, Unternehmensplanung sowie Datenanalyse.
Für eine spätere Führungs- oder Spezialistenrolle kann ein Master sinnvoll sein. Wer früh Praxiserfahrung sammelt, etwa durch ein duales Studium, Werkstudententätigkeit oder Praktikum, verbessert seine Chancen oft stärker als durch zusätzliche Theorie allein.
Kaufmännische Ausbildung und Weiterbildung
Eine Ausbildung zum Industriekaufmann, Kaufmann für Büromanagement oder Steuerfachangestellten kann der Einstieg in Buchhaltung, Kostenrechnung oder Finanzadministration sein. Danach folgen je nach Ziel Weiterbildungen zum Bilanzbuchhalter, Controller oder geprüften Wirtschaftsfachwirt.
| Einstiegsweg | Typische Dauer | Besonders geeignet für |
|---|---|---|
| Duales oder klassisches Studium | Meist 3 bis 4 Jahre | Menschen mit Interesse an Analyse und späterer Entwicklung in Richtung Management |
| Kaufmännische Ausbildung | Meist 2,5 bis 3 Jahre | Berufseinsteiger, die früh praktische Erfahrung sammeln möchten |
| Berufsbegleitende Weiterbildung | Oft 1 bis 2 Jahre | Beschäftigte, die sich neben dem Beruf spezialisieren möchten |
| Quereinstieg | Abhängig von Vorerfahrung | Fachkräfte aus Einkauf, Vertrieb, Logistik, IT oder Naturwissenschaften |
Gerade in der Pharmaindustrie können Quereinsteiger aus Pharmazie, Chemie oder Biotechnologie interessant sein. Sie verstehen Produkte, Entwicklungsprozesse und regulatorische Anforderungen und müssen vor allem noch lernen, diese Perspektive mit Kosten, Budgets und Kennzahlen zu verbinden.
Welche Fähigkeiten im Arbeitsalltag wirklich zählen
Gute Noten in Mathematik helfen, reichen aber nicht aus. Im Berufsalltag geht es meist um Prozentrechnungen, Plausibilitätsprüfungen und wirtschaftliche Zusammenhänge. Entscheidend ist, aus vielen Einzelinformationen eine klare und handlungsfähige Aussage zu entwickeln.
Fachliche Grundlagen
- Buchführung und Bilanzierung
- Kosten- und Leistungsrechnung
- Budgetierung und Forecasting
- Investitions- und Wirtschaftlichkeitsrechnung
- Grundkenntnisse in HGB und gegebenenfalls IFRS
- Aufbau und Interpretation von Kennzahlen
Ein Forecast ist beispielsweise keine bloße Fortschreibung alter Zahlen. Er ist eine aktualisierte Einschätzung, wie sich Umsatz, Kosten oder Liquidität unter den aktuellen Bedingungen entwickeln könnten. Diese Unterscheidung wirkt klein, entscheidet aber darüber, ob ein Bericht wirklich für Entscheidungen taugt.
Digitale Werkzeuge
Excel bleibt wichtig, besonders für schnelle Analysen, Modelle und Plausibilitätschecks. In größeren Unternehmen kommen ERP-Systeme wie SAP, Buchhaltungssoftware wie DATEV sowie Business-Intelligence-Lösungen für Dashboards und automatisierte Berichte hinzu.
Ich würde Lernenden empfehlen, nicht zehn Programme oberflächlich anzutesten. Besser ist ein kleines Praxisprojekt, etwa ein Budgetmodell mit Plan-Ist-Vergleich, Diagrammen und einer kurzen Handlungsempfehlung. So zeigt man nicht nur, dass man eine Tabelle bauen kann, sondern auch, dass man ihre Aussage versteht.
Lesen Sie auch: Was kann man mit einem Bachelor of Laws machen?
Kommunikation und Urteilsvermögen
Ein Controller muss unangenehme Entwicklungen ansprechen können, ohne als interner Kontrolleur aufzutreten. Wenn ein Budget überschritten wird, interessiert die Fachabteilung selten eine lange Zahlenkolonne. Sie braucht eine verständliche Erklärung, eine Ursache und einen realistischen nächsten Schritt.
Genau hier scheitern viele Berufseinsteiger zunächst. Sie konzentrieren sich auf die korrekte Berechnung und unterschätzen, wie wichtig Rückfragen, Zuhören und eine klare Darstellung für die Akzeptanz ihrer Arbeit sind.
Gehalt, Nachfrage und Aufstieg realistisch einschätzen
Die Verdienstmöglichkeiten hängen stark von Region, Branche, Unternehmensgröße, Abschluss und Verantwortung ab. Als grobe Orientierung nennen Gehaltsübersichten für Buchhaltungsprofile etwa 43.000 Euro brutto im Jahr, während erfahrene Controller je nach Position häufig im Bereich von 70.000 bis 90.000 Euro liegen können.
Diese Werte sind keine Zusage für ein bestimmtes Angebot. Ein Berufseinstieg in einer kleineren Stadt, eine Assistenzstelle oder ein Wechsel aus einer anderen Branche kann deutlich darunter liegen. Dagegen erhöhen Fachwissen in SAP, IFRS, Produktionscontrolling oder Data Analytics die Verhandlungsposition spürbar.
| Entwicklungsstufe | Typische Verantwortung | Möglicher nächster Schritt |
|---|---|---|
| Einstieg | Berichte vorbereiten, Konten prüfen, Daten auswerten | Eigenes Teilgebiet oder erste Business-Partner-Aufgaben |
| Erfahrene Fachkraft | Budgets, Forecasts und bereichsübergreifende Analysen | Senior Controller oder Spezialist für eine Branche |
| Führungskraft | Steuerung des Teams, Managementberichte und Planungssysteme | Leitung Controlling, Finance Manager oder kaufmännische Leitung |
Besonders stabil wirken Tätigkeiten, die Fachwissen mit Beratung verbinden. Automatisierte Systeme können Standardbuchungen, Datenimporte und einfache Auswertungen übernehmen. Sie ersetzen aber nicht ohne Weiteres die Person, die Unstimmigkeiten erkennt, Annahmen hinterfragt und einer Geschäftsleitung die Konsequenzen erklärt.
So prüfe ich, ob das Berufsfeld zu mir passt
Wer sich orientieren möchte, sollte nicht nur fragen, ob er gerne mit Zahlen arbeitet. Wichtiger ist, ob auch regelmäßige Prüfungen, konzentrierte Bildschirmarbeit und Gespräche über wirtschaftliche Entscheidungen zum eigenen Arbeitsstil passen.
- Mag ich es, Ursachen hinter Abweichungen zu suchen?
- Kann ich komplizierte Ergebnisse in wenigen Sätzen erklären?
- Arbeite ich sorgfältig, auch wenn Aufgaben wiederkehrend sind?
- Interessieren mich Geschäftsmodelle und nicht nur einzelne Zahlen?
- Bin ich bereit, Software und gesetzliche Anforderungen laufend zu lernen?
Für Studierende der Pharmazie oder verwandter Fächer kann ein Praktikum in Finance, Supply Chain oder Produktionsplanung besonders aufschlussreich sein. So zeigt sich schnell, ob die Verbindung aus naturwissenschaftlichem Verständnis und kaufmännischer Analyse wirklich Freude macht.
Mein Rat für den Einstieg 2026 ist deshalb klar. Wähle zunächst ein Gebiet, das dich fachlich interessiert, baue dort praktische Erfahrung auf und lerne, Ergebnisse verständlich zu vertreten. Wer Daten korrekt einordnet und daraus brauchbare Entscheidungen ableitet, entwickelt sich im Rechnungswesen und Controlling deutlich nachhaltiger als jemand, der nur möglichst viele Softwarekenntnisse sammelt.
